Aus dem Text

Joachim Pissarro

Camille Pissarro


[…] Das gesamte Œuvre Pissarros in und um Pontoise verrät einen ungewöhnlichen Sinn für räumliche Strukturen. Er versteht es, dem ländlichen Raum einen überzeugenden und höchst eigenwilligen Ausdruck zu verleihen. Es war vor allem die Umgebung von Pontoise, dort wo Stadt und Land ineinander übergingen, die er immer wieder malte und durch ausschnitthafte Ansichten aus der Distanz vor Augen rückte. Diese Bildräume erscheinen teilweise gleichförmig und schlicht, teilweise in der Hervorhebung ihrer naturgegebenen Kontraste vielfältig gestaffelt und variiert.

[…] Um seine Wahrheit zu gestalten, braucht Pissarro die Distanz, das heißt, der Künstler nimmt Abstand von seinen ersten Studien nach der Natur. Er greift mehr auf sein Gedächtnis als auf die direkte Beobachtung zurück. Ebenso wie seine Figuren dazu neigen, sich in sich selbst zu versenken, wird der in seinen Schaffensprozess versunkene Pissarro »unachtsam« gegenüber dem ersten und unmittelbaren Natureindruck. Doch wird sein Schaffen durch zahlreiche Studien gespeist, die direkt vor dem Motiv entstanden und seine unmittelbaren Beobachtungen wiedergeben. Bei diesem Prozess blieb Pissarro in all seinen Figurenbildern der klaren und prägnanten Definition des Impressionismus treu, die er 1883 gegeben hatte: »Der Impressionismus war in Wirklichkeit nichts anderes als eine Theorie der Wahrnehmung, ohne dabei Phantasie, Freiheit oder Größe außer acht zu lassen – mit einem Wort: alles, was die Kunst groß macht.«

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