Aus dem Text

Franz Erhard Walther
 

Roselyne Marsaud Perrodin
Die Umsetzung des Werkes durch den Körper

Vom autonomen Kunstwerk zum handlungsbezogenen Werk

[...] Anfänglich bestand die Absicht des Künstlers darin, den handelnden menschlichen Körper als Mittel der Darstellung zu beanspruchen. Reiz und Bedeutung dieses Ansatzes liegen meiner Ansicht nach darin, dieses Agieren mittels einer Vergegenständlichung der Malerei hervorzurufen.

So wird das malerische Objekt von der Wand gelöst, um in einem spürbaren und erlebten Zusammentreffen mit dem Werk vom Körper durchdrungen zu werden. Es geht darum, durch die Aktion des Körpers und seines Erlebens ein Konstrukt zu schaffen, das als wahrnehmbares und kreatives Subjekt gedacht ist. Die körperlichen Beziehungen des Menschen zum Objekt und zum Raum werden so zu Determinanten, sie sind Mittel, die es erlauben, ausgehend von einer lebendigen Realität eine Vielfalt von Elementen in die Werkstücke einzuführen.

Die von Franz Erhard Walther entworfene Definition des Werkes beinhaltet mehrere dieser Elemente: die Konzeption des Objekts, seine konkrete Form, seine Instrumentalisierung, seine Rezeption und die Struktur der Aktionen, die sich aus ihm ergeben. Das Konzept des Kunstwerks steht so Parametern offen, die man sich bisher noch nicht als konstituierende Elemente eines plastischen Werks vorgestellt hatte. Die reale Zeit und der reale Raum, die Sprache, die Erinnerung und die Geschichte bilden den Stoff, aus dem der Künstler das Kunstwerk innerlich formuliert. Es besitzt die Fähigkeit zur Evolution und vollzieht den Übergang von einem als reines Kunstwerk konzipierten zu einem in Handlung umgesetzten Werk.
 

Von den Aktionen zur Form

[...] Franz Erhard Walther kreiert innere Räume, die den Werken Körperhaftigkeit verleihen, und äußere Räume, wenn diese ausgestellt werden. Der Künstler breitet die Werkstücke auf dem Boden aus, er verstreut sie, stapelt sie übereinander oder hängt sie an die Wand.

Diese Werke haben die Fähigkeit, die verschiedenen früher mit ihnen vollzogenen Handlungen ins Gedächtnis zu rufen, was nicht nur ihr zeitgebundener Charakter, sondern auch ihre Form, ihre eigene materielle Existenz, verdeutlicht. Ungeachtet dieser Suggestivkraft, trotz der Verräumlichung des Werkes, bleibt der schöpferische Prozeß ein innerlicher, autonomer, und seine Entwicklung hier findet ihre eigenen Grenzen.

Es geht Franz Erhard Walther also um die Bekräftigung, daß die Hantierungen mit Materie und Raum fundamentale Handlungen sind, mit denen man eine Gleichzeitigkeit von Aktion und Form erreichen kann. So steht das Werk den sich ständig wandelnden konstituierenden Faktoren offen, die Umfeld und Publikum beitragen können und die es zu formalisieren gilt.

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