Aus dem Text

Marie-Laure Bernadac

Picasso Museum Paris – Die Meisterwerke
 

[…] Eine wirklich überzeugende Erklärung für die Atmosphäre der Blauen Periode steht bis heute aus. Tatsächlich gilt es hier zwei Fragenkomplexe klar voneinander zu unterscheiden: die Frage der Monochromie und die der Verwendung der blauen Farbe. Das Blau als Farbe der Nacht – dafür fehlt es nicht an psychologischen und symbolischen lnterpretationen: »Das Blau der Nacht, des Mondscheins und des Wassers, das Tuat-Blau der ägyptischen Unterwelt« wird es C. G. Jung nennen. Darüber hinaus hat die Monochromie formale Konsequenzen in der Vereinfachung, Stilisierung oder Vereinheitlichung. Mit ihr geht der Künstler – wie Pierre Daix betont – auch zum ersten Mal über die wahrnehmbare Erscheinung hinaus. Indem er alles in Blau taucht, als lege er einen Filter zwischen sein Auge und die Welt, bekennt er sich zu seiner eigenen Subjektivität und schafft einen eigenständigen persönlichen Stil. Alberto Moravia scheint am besten erfasst zu haben, worum es in dieser Schaffensphase geht: »Das Blau steht weder für das Elend noch für den Hunger... Es bezeugt den leidenschaftlichen Drang Picassos nach vorn, seinen Willen zur Entfaltung seiner eigenen angeborenen Vitalität, ohne ein Urteil zu fällen, ohne zu moralisieren, mittels einer totalen und weltschöpferischen Farbe.« Die Monochromie ist für ihn der »wichtigste Schritt zur Manier, das heißt der experimentellen Indifferenz in Bezug auf Reichtum und Komplikationen einer authentischen Vision der Welt...«. Für Moravia dient die Monochromie dazu, »eine streng formale Idee von der Welt zu geben: eine kolorierte Idee«.

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