Aus dem Text

Kubach & Kropp: Steinskulpturen
 

Stéphane Penxten
Von der Masse zum leeren Raum oder von der Materie zur Antimaterie

Henri Laurens schrieb über die Skulptur, diese sei »vor allem eine Inbesitznahme des Raums, eines durch Formen eingegrenzten Raums«. In den Werken von Kubach und Kropp ist es der Raum, der die Form in Besitz nimmt. Er dringt dort stürmisch ein in Gestalt von Säulen aus Materie oder Antimaterie, je nachdem, ob er ausgewählt wurde, das eine oder das andere zu offenbaren. Der Stein für das Licht (1996), ein für die klassische Frontalskulptur exemplarischer parallelepipedischer Monolith, illustriert dieses brutale und heilbringende Eindringen des Raums in die Materie. Dutzende von Bohrlöchern, so eng wie möglich aneinandergereiht, um als Gitterform sichtbar zu sein, dematerialisieren den Block aus schwarzem Granit mit seinen glatt polierten Flächen. Es gibt keine Rückseite mehr, sondern zwei Vorderansichten und zwei Seitenflächen. Dieses Miteinander und Gegeneinander von zwei kontrastierenden Flächen verleiht der Skulptur eine ambivalente Lesart entsprechend dem seitlichen Blickwinkel (ausgefüllt - Materie) oder dem frontalen Blickpunkt (ausgehöhlt - Lichteinfall). Kubach und Kropp lieben das Paradoxe, lieben es, Gegensätze aufeinandertreffen zu lassen, die Ambivalenz von Gegensätzen zu betonen.

Die Werkgruppe der Säulengitter (1991), zu zwei Dritteln mit geschichteten Bohrkernen gefüllt, die zuvor herausgebohrt wurden, verblüfft den Betrachter. Ist dieser leere, jedoch teilweise aufgefüllte Raum Erweis der entnommenen Materie oder der materielle Eindruck der geschaffenen Leere? Was ist wichtiger, die Leere oder die Fülle? Der Eindruck oder der Ausdruck? Das Bohrloch oder der aus ihm entstandene Bohrkern? Die Bildhauer begnügen sich damit, die Frage in den Raum zu stellen und führen uns zurück zu der ganzheitlichen und symbiotischen Anschauung Henry Moores. »Für sich genommen kann eine Aushöhlung ebensoviel plastische Bedeutung besitzen wie eine volle Masse. Man kann auch die Luft skulptieren: der Stein umschließt und umarmt den leeren Raum, der in Wirklichkeit die erstrebte, die >gewollte< Form ist« . Es sei denn, wie Jan Fonce' über das Werk der englischen Bildhauerin Barbara Hepworth schreibt, man wolle, im strukturellen Sinn, ganz einfach den Stein mit seiner Umgebung kommunizieren lassen und »legt den Akzent auf eine Dialektik zwischen dem Innen und dem Außen.«

Erstaunlich in seinem ätherischen Fließen, verbirgt das Segel vom Stein für den Wind (1996) mit seiner Perforation keineswegs die Operation, der es unterworfen wurde, um diese offensichtliche Leichtigkeit zu erhalten. Dem Lufthauch eines imaginären Windes ausgesetzt, bleibt der Stein undurchdringlich oder bietet sich jedenfalls so dar, abgeriegelt durch die Materie, die man ihm entnommen hat."

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