Aus dem Text

Jackson Pollock - No Limits, Just Edges – Malerei auf Papier

Susan Davidson
Gestus auf kleinem Format: Jackson Pollocks Malerei auf Papier

Pollocks vierte Ausstellung in Art of This Century-Gallery fand nur wenige Monate vor dem Mai 1947 statt, dem Zeitpunkt, an dem Peggy Guggenheim ihre Galerie für immer schloss und nach Europa zurückkehrte. Mit viel Überredungskunst brachte Peggy Guggenheim die Kunsthändlerin Betty Parsons dazu, den Rest von Pollocks Vertrag zu übernehmen. Bei seiner ersten Werkschau bei Parsons im Januar 1948 präsentierte Pollock einen neuen Zyklus: siebzehn großformatige Drip-Paintings in seiner abstrakten All-over-Gestik, die heute allgemein als Pollocks bedeutendste Neuerung angesehen wird. Ab Ende 1946 legte Pollock den Bildträger oft flach auf den Boden. In aufrechter Haltung und aus einer gewissen Distanz tropfte und schüttete oder spritzte er Lackfarben auf die unter ihm liegende Fläche, eine Methode, die es ihm seiner Überzeugung nach ermöglichte, die Linienführung präziser zu kontrollieren. Flüssige Farbe, die aus einer durchlöcherten Blechdose floss oder von Stöcken oder Maurerkellen tropfte, ersetzte das traditionellen Mal- und Zeichenwerkzeug. Die Beschaffenheit des Bildträgers war anfänglich von geringerer Bedeutung (obwohl Pollock später die Wirkung von Lack, Tusche und Wasserfarben in Verbindung mit den physikalischen Eigenschaften von ungrundierter Leinwand und porösem Papier gründlicher erkunden sollte). Pollock beschrieb die Vorzüge dieses Malprozesses: »Ich brauche den Widerstand einer harten Oberfläche. Am Boden fühle ich mich zwangloser. Ich fühle mich näher und mehr als Teil des Gemäldes, denn ich kann um dieses herumgehen, von allen vier Seiten arbeiten und buchstäblich im Bild sein«.

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